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 Alternde Gesellschaft stellt Zahnmedizin vor erhebliche Herausforderungen

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Der wachsende Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung stellt die Zahnmedizin vor erhebliche Herausforderungen. Foto: stockbyte (sb) |
In den kommenden Jahren wird der Anteil alter Menschen in der Be-völkerung zunehmen. Dies stellt die Zahnmedizin in der Prävention und Versorgung dieser Patien-ten vor erhebliche Herausforderungen. Vielschichtige Zusammenhänge zwischen medizinischen und zahnmedizinischen Erkrankungen und die spezielle Situation älterer Menschen fordern ein Umdenken.
Bisher konzentrierten sich Prophylaxe-Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche. Mit Erfolg: In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist Karies drastisch zurückgegangen. „Aus wissenschaftlichen Stu-dien weiß man, dass auch bei älteren Menschen Prävention nicht nur sinnvoll, sondern auch er-folgreich sein kann“, sagt Prof. Dr. Joachim Klimek, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde an der Universität Gießen und Sprecher des wissenschaftlichen Beirats der Sektion Zahngesundheit im Deutschen Grünen Kreuz e.V. Daher entwickelt und initiiert die Bundeszahnärztekammer Programme zur Verbesserung der Mundgesundheit älterer Men-schen. Repräsentative Erhebungen belegen die Notwendigkeit solcher Programme: Menschen im Alter von 65 bis 74 Jahren fehlen in Deutschland durchschnittlich etwa 18 bis 20 Zähne, ein Viertel bis zu ein Drittel sind komplett zahnlos. Über die Hälfte der Patienten dieser Altersgruppe leiden an einer schweren Zahnbetterkrankung (Parodontitis). Dies entspricht der Situation in anderen ver-gleichbaren Industrienationen.
Fehlender, unzureichender oder alter Zahnersatz vermindert häufig die Lebensqualität, weil die Kaufähigkeit eingeschränkt ist und sich Physiognomie und Sprache verändern. Das Ernährungs-verhalten wird oft einseitig und unausgewogen, viele Patienten ziehen sich sozial zurück. Der Ver-lust der Kieferabstützung durch fehlende Zähne kann Funktionsstörungen der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur zur Folge haben einhergehend mit Kopf- und Nackenschmerzen. Dies wieder-um wirkt sich negativ auf die Allgemeingesundheit aus.
Außerdem können Infektionen im Mundraum schwerwiegende Auswirkungen haben: „So gilt etwa Parodontitis als Risikofaktor für Herz- und Kreislauferkrankungen und Diabetes“, warnt Klimek. Andersherum wirken sich verschiedene Allgemeinerkrankungen wie Diabetes oder systemische Erkrankungen auf die Mundhöhle aus. Typisch ist auch das vermehrte Auftreten von Mund-schleimhautveränderungen und Mundkrebs im höheren Alter. „In diesem Zusammenhang ist es wichtig daran zu erinnern, dass sich das Aufgabenfeld des Zahnarztes nicht auf die Zähne be-schränkt“, so Klimek.
Ebenso können altersbedingte Funktionseinschränkungen gefährlich für die Mundgesundheit sein. Bewegungseinschränkungen erschweren den regelmäßigen Besuch einer Zahnarztpraxis, eine eingeschränkte Feinmotorik führt häufig zu Problemen bei der Mundhygiene zu Hause. Hier ist es wichtig, über Alternativen aufzuklären, die die Mundhygiene erleichtern und unterstützen: „Men-schen mit eingeschränkter Feinmotorik können mit modernen elektrischen Zahnbürsten oft eine bessere Reinigung der Zähne erzielen als mit Handzahnbürsten. Die Entwicklung von Wurzelka-ries, die typischerweise im höheren Alter auftritt, kann durch die regelmäßige Anwendung fluorid-haltiger Präparate vermindert werden“, erläutert der Zahnmediziner.
Einfach anzuwendende antibakteriell wirksame Mundspüllösungen wie Chlorhexidin oder Mittel, die Zinn- und Aminfluorid enthalten, können einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt und zur Wie-derherstellung der Mundgesundheit leisten. Personen, die unter vermindertem Speichelfluss leiden – oft auch als Nebenwirkung von Medikamenten bei Herz-Kreislauferkrankungen oder Depressio-nen – kann es schon helfen, häufiger einmal zuckerfreien Kaugummi zu kauen.
„Eine Verbesserung der Mundgesundheit älterer Menschen kann nicht durch die Zahnärzteschaft allein bewirkt werden, sondern nur durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Blick auf den ganzen Patienten“, folgert Klimek.
Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) fordert angesichts der demographischen Entwicklung, einen verstärkten Focus auf die Senioren zu richten. Anlässlich eines interdisziplinären Kongresses „Zähne im Alter“ der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK) machte Vizepräsident Dr. Dietmar Oesterreich zum wiederholten Male deutlich: „Die Zunahme von alten und multimorbiden Patienten in der Praxis fordern den Zahnarzt in seiner medizinischen und sozialen Kompetenz mehr denn je.“ Dazu bedürfe es eines fundierten Wissens des Zahnarztes über die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen medizinischen und zahnmedizinischen Erkrankungen. Wissenschaft wie Berufspolitik arbeiteten daran, den dazu notwendigen Wissenstransfer in die Praxis zu be-schleunigen. Die Gesundheitspolitik müsse entsprechende Rahmenbedingungen gestalten.
Weitere Informationen finden Sie unter www.rundum-zahngesund.de , der Homepage der Sektion Zahngesundheit im Deutschen Grünen Kreuz e.V.
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